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Der iPhone-Hacker-Krieg
22. Juli 2008, 15:04
Filed under: Gadgets

Das iPhone hat in seinem kurzen Leben bereits für ziemlich viel Aufruhr gesorgt und das eine oder andere Tohuwabohu verursacht. Abgesehen von Apples Schlag ins Gesicht der Telekommunikationsbranche (und vielleicht auch in jenes der Konsumenten), betrifft dies vor allem die Hacker-Community, welche sich das hehre Ziel gesetzt hat, Apples leidiger Vorliebe für Nutzungsrestriktionen ein Ende zu setzen.

Anfgefangen hat alles mit George Hotz, alias geohot, der im August 2007 den ersten Hardware-Unlock des iPhone präsentiert hat. Dies brachte ihm ein Auto ein und machte ihn über Nacht zum respektierten Internet-Promi.

Im September 2007 wartete dann das so genannte iPhone Dev-Team – eine lose, weltweit-verstreute Gruppe von ungefähr 30 Hackern – mit dem ersten Software-Unlock auf (anySIM).  Damit war die Zeit auch für Laien langsam gekommen, dem iPhone endgültig einige seiner Ketten abzunehmen. Geohot war nie offizielles Mitglied des Dev-Teams, stand aber in gutem Verhältnis zur Gruppe und einige Teile des Software-Unlocks gehen bis heute auf sein Konto. So weit so gut.

Dann begann es langsam zu brodeln. Ausgelöst durch iPhone Firmware- und Bootloader/Baseband-Updates mussten immer wieder „neue“ Hacks (nicht vom Prinzip her, aber aufgrund der neuen Konfiguration) entwickelt bzw. neue Lücken im iPhone entdeckt werden.

Dadurch kam es zu einem Streit im Dev-Team über den einzuschlagenden Fahrplan, wobei ein Teil der Gruppe mit der Veröffentlichung eines neu entdeckten iPhone-Exploit zuwarten wollte, um es Apple nicht zu ermöglichen, diesen mit einem Software-Update schnell wieder zu schliessen. Ein Teil der Teammitglieder war damit nicht einverstanden, spaltete sich ab und gründet das iPhone Elite Dev-Team. Dazu gehörte auch der infamose Zibri.

Ziphone

Die Abspaltung führte zu einer kurzen Internet-Aufruhr, bevor dann der eigentliche Krieg begann: Zibri veröffentlichte Ziphone auf eigene Faust (Februar 2008).

Ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil von Ziphone war zwar von Zibri entdeckt worden (ramdisk-exploit), der Rest bestand aber aus den Vorarbeiten des restlichen Dev-Teams. Dies ist auch bei fast allen anderen Unlock-Tools der Fall (z.B. iNdependence, iPlus, etc.), deren Eigenleistung zum Teil „nur“ darin bestand, eine grafische Oberfläche für den Unlock zu bieten sowie die verschiedenen Schritte des Unlocks/Jailbreaks in einem Programm zu vereinen.

Wie dem auch sei, mittlerweile sind das Dev-Team und das Elite Dev-Team wieder vereint, bis auf Zibri, der wegen seines Alleingangs alle verärgerte: Er gab den anderen Entwicklern der beiden Dev-Teams, ohne die es Ziphone nicht geben würde, keine Credits, er veröffentlichte die neue iPhone-Lücke gegen den Willen des restlichen Teams, spielte sich als der iPhone-Held auf und kassierte entgegen vorangiger Absprache über Donations mächtig ab (das Dev-Team akzeptiert bis heute keine Donations).

Des Weiteren ist Ziphone auch ein „gefährliches“ Unlock-Tool, weil es den Bootloader des iPhone downgraded und damit 1) das iPhone unbrauchbar machen kann und 2) irreversibel modifiziert – dem Dev-Team war und ist es bis heute wichtig, dass diese beiden Punkte nicht eintreten können.

Geohots yiPhone.org

Nun hat das Dev-Team das ultimative Pwnage-Tool veröffentlicht, welches an Leichtigkeit nicht zu übertreffen ist und zumindest die iPhones der ersten Generation (womöglich dann auch das 3G) endgultigt befreit hat.

Auch hier kam es kurz vor Veröffentlichung noch zu einem kleinen Zwist, da geohot versuchte, das Dev-Team zu einer früheren Veröffentlichung zu bewegen, damit dies nicht wieder ein Alleingänger tut. Er eröffnete eine Website (yiPhone.org), die einem glauben liess, er veröffentliche das Tool vor dem Dev-Team, worauf das Dev-Team seinerseits mit einer Website (ihazsupper.com) und harschen Kommentaren reagierte. Die Spekulationen seitens der User überschlugen sich, schlussendlich aber stellte sich geohots Initiative als Scherz heraus.

Dev-Team: The Last Supper (mit geohot als Judas)

Das vorläufig letzte Kapitel dieser Auseinandersetzung dreht sich aber wieder um Zibri. Sein Ziphone ist (noch) nicht in der Lage, die 2.0 iPhone-Firmware zu befreien, weil der ramdisk-exploit von Apple geschlossen wurde. Deswegen wird nun wieder munter über den Zaun geschossen: Zibri verteidigt Ziphone, verspricht eine neue Version (?) und greift das Dev-Team an („that’s not hacking“), dieses wiederum glaubt nicht, dass Zibri im Alleingang nochmals mit einem Unlock-Tool aufwarten kann, entkräftet alle seine Aussagen und Anschuldigungen und wartet auf sein Verschwinden. Fortsetzung folgt…

Das Faszinierende an der ganzen Sache und an unserer Internet-Zeit im Allgemeinen ist aber nicht diese Auseinandersetzung, sondern die Tatsache, dass solche Hacker-Communities – deren Mitglieder sich physisch noch nie getroffen haben und sich auf der Strasse wohl nicht erkennen würden – überhaupt entstehen und Produkte hervorbringen, die ihren Zweck mehr als erfüllen und das in einer Qualität, die den Vergleich mit Microsoft-Erstveröffentlichungen in keiner Weise scheuen muss.

Das alles ohne Chef, ohne Organisationsüberbau, ohne endlose Meetings, ohne Lohn – just for fun and a little bit of fame! Dass es dabei zu Reibereien und inkompatiblen Anschuldigungen kommt, ist mehr als verständlich.

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Langeweile auf der Schweizer Botschaft in Teheran
17. Juli 2008, 17:52
Filed under: Iran, Schweiz, USA

Wie der Guardian heute meldet, sind die USA kurz davor, erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 wieder eine eigene Interessenvertretung in Teheran zu eröffnen. Daraus wird dann mittelfristig wohl eine offizielle diplomatische Vertretung – zukünfitige Reibereien zwischen dem Iran und den USA mal ausgeklammert.

Bisher fungierte die Schweiz als Schutzmacht der USA im Iran und wahr sowohl zuständig für konsularische Belange, wie auch tätig als diplomatischer Kommunikatonsintermediär zwischen den verfeindeten Staaten. Letzteres ist zweifellos eine sehr spannende Aufgabe, welche es der weltpolitisch belanglosen Schweiz bisher erlaubte, in einem der zentralen Konflikte der Gegenwart eine andauernde und durchaus bedeutende Rolle zu spielen.

Damit ist jetzt dann woh langsam Schluss. Zwar erstaunt es angesichts der Kriegsrhetorik der letzten acht Jahre, dass diese Ankündigung gerade jetzt kommt und noch unter Bushs Regentschaft in die Tat umgesetzt werden soll, doch hat sich dies in letzter Zeit immer klarer abgezeichnet.

Die Hauptgründe liegen sicher in der Tatsache, dass die Iran-Politik der Bush Administration, gelinde gesagt, nicht gerade ein Erfolg war und George W. Bush damit begonnen hat, sich Sorgen zu machen über die historische Einordnung seiner „Errungenschaften“. Auch wurden die Stimmen innerhalb der Administration immer lauter – besonders im State Departement (vs. Cheney und Teilen des Pentagon) -, es nach 30 Jahren rhetorischer Anfeindung mal zu versuchen, mit dem Iran in eine Art der direkten Beziehung zu treten.

Darüber hinaus hat die Eröffung einer Interessenvertretung wohl auch ein klein wenig mit der Schweiz zu tun, welche den USA in letzter Zeit ziemlich auf den Nerv gegangen sein dürfte.

Prominentestes Beispiel: Der Gas-Deal der EGL mit dem Iran unter freundlicher Beihilfe des Aussenministeriums, dessen Vorsteherin von der iranischen Regierung medial instrumentalisiert wurde und erhebliche diplomatische Spannungen verursachte. Zumindest einige der Fotos hätte die Schweizer Diplomatie vielleicht verhindern sollen…

Ein Klassentreffen alter Kumpels?

Wie dem auch sei, die Unzufriedenheit der Amerikaner mit der Schweizer Iran-Politik besteht schon länger. So liess sich John Bolton, der frühere amerikanische UN-Botschafter, Ende letzten Jahres mit folgender Aussage auf Video bannen:

„[The] former Swiss ambassador […] was a busybody. I recommended to Secretary Powell that we get the Swiss to fire that guy or we find a new protecting power [in] Tehran.“

Bolton bezieht sich hier auf Tim Guldimann, der damals Schweizer Botschafter in Teheran war. Seine Aussage ist eine „Antwort“ auf die Frage, ob der Iran den USA (über die Schweiz) im Jahre 2003 ein umfangreiches Gesprächsangebot unterbreitet habe. Bolton war von 2001-2005 Undersecretary of State for Arms Control and International Security (eine Aufnahme des Interviews kann hier (.mov) betrachtet werden – obwohl ich es sehr gerne tun würde, gehe ich an dieser Stelle nicht näher auf John Bolton ein).

Guldimann wurde dann im Jahre 2004 durch Philippe Welti ersetzt, der im Iran wohl auch eine ziemlich ereignisreiche Zeit verbracht hat. Allerdings soll und kann hier nicht behauptet werden, dass dieser Wechsel direkt etwas mit Bolton oder amerikanischem Druck zu tun gehabt hätte.

Auf alle Fälle sorgt das Schutzmachtmandat der Schweiz in Teheran für ziemliche Spannung und lässt einige Schweizer Diplomaten den Puls des Weltgeschehens spüren. Damit dürfte es jetzt dann bald vorbei sein – zumindest in dieser Form. Aber falls es zu einem Tauwetter zwischen den USA und dem Iran kommen sollte, wäre das eine gute Sache für die Welt. Und langweilig wird es in Teheran deswegen bestimmt nicht!



Part Of This Planet
16. Juli 2008, 15:42
Filed under: Schweiz, Stadt Zürich

Seit nunmehr über-den-Daumen-gepeilten sechs Jahren kann der aufmerksame Zürich-Gänger überall in der Stadt kleine unscheinbare Kacheln entdecken, welche den Namen und die Flagge eines Landes tragen und mit der Aufschrift „part of this planet“ versehen sind.

Es handelt sich dabei meist um Schwellen-/Entwicklungsländer und der Urheber verfolgt wohl das Ziel, auf von der Öffentlichkeit nicht beachtete Konflikte bzw. Missstände in diesen Ländern aufmerksam zu machen.

Ich meinerseits habe mir jetzt zum Ziel gesetzt, endlich herauszufinden, wer das warum tut und ob der-/diejenige noch immer aktiv ist. Einige der Kacheln sind wieder verschwunden und es scheint, dass die Aktion eingestellt wurde.

Falls ihr was wisst, hinterlässt einen Kommentar, falls ihr einer Kachel begegnet, fotografiert sie doch!

Ruanda

(Diese beiden sind wieder verschwunden; „Ruanda“ war bei der Polyterrasse, „Sudan“ beim Hirschengraben. „Ägypten“ befindet sich an der Stampfenbachstrasse.)