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Goldesel Vasella
21. Oktober 2008, 10:52
Filed under: Schweiz

Daniel Vasella scheint die Zeichen der Zeit noch nicht erkennen zu wollen und bezeichnete gestern im Schweizer Fernsehen die Forderung nach tieferen Managerlöhnen als „populistisch“. Sein Argument: Das sei nicht der Grund für die gegenwärtige Finanzkrise und eine solche könne dadurch auch nicht verhindert werden. Danke, Dani, für diese Klarstellung.

Tatsächlich macht er mit seiner Aussage deutlich, dass er nicht einmal im Ansatz begriffen hat, worum es in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um astronomisch hohe Managerlöhne geht. Die gegenwärtige Finanzkrise hat das Thema zweifelsohne wieder auf die Frontseiten katapulitiert, aber niemand behauptet ernsthaft, dass die hohen Löhne Hauptursache der Krise seien.

Bei der Diskussion um hohe Löhne geht es vielmehr um soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und Moral. Die Finanzkrise ist dabei gewissermassen das „Window of Opportunity“, um die Lohnpraktiken der Managerkaste anzuprangern.

Die Oligarchen in den Firmenetagen haben zwei Lieblingsargumente für ihre hohen, selbst zugesprochenen Löhne: Verantwortung und Personalgewinnung.

Lächelnder Goldjunge

Lächelnder Goldjunge

Mit Verantwortung meinen sie, dass ihr Vorstehen einer grossen Firma so unglaublich verantwortungsvoll ist, dass eine Gegenleistung in Form hoher Geldsummen unerlässlich ist. Dieses Argument haben die Swissair-Pleite und Marcel Ospel bereits hinreichend widerlegt. Letzterer hat die UBS von 1998-2008 geführt und viel Geld für sich und andere verdient – nur die UBS ist in einem übleren Zustand als 1998; so gesehen, hätte man sich die Ospel-Jahre schenken und sein Lohngeld sparen können. Verantwortung? Null.

Mit Personalgewinnung wollen uns die Herren der Welt weis machen, dass man hohe Löhne zahlen muss, um die besten Leute zu gewinnen, diese sonst zur Konkurrenz abwandern. Wohlgemerkt: hier sprechen die „besten Leute“ über sich selbst. Viele sagen, dass man durch hohe Löhne nicht die besten Leute anzieht, sondern die gierigsten. Mag sein. Auf jeden Fall sind viele Manager nicht so unersetzlich, wie sie sich geben.

Diese Argumente entlarfen das gottähnliche Selbstbild der Topmanager. Gleichzeitig sind diese Argumente ein Hohn für alle normal arbeitenden Menschen. Wie interessant muss es sein, ein Topmanager zu sein? (das meine ich ernst.) Vielfältige Aufgaben, Entscheidungsgewalt, Gestaltungsraum, sozialer Zugang zu den Mächtigen und Reichen… Was ist damit? Hat das nicht auch einen Wert?

Seien Sie doch froh, Herr Vasella, Sie haben einen geilen Job! Und niemand spricht Ihnen einen überdurchschnittlichen Lohn ab, aber müssen’s gleich 30 Millionen Franken sein? Was wäre mit 2 oder 5 Millionen? Damit könnten ich und viele andere leben.

Und was machen Sie eigentlich jeden Tag, das 82’000 Franken Wert ist? Soviel verdiene ich nicht im Jahr. Finden Sie das wirklich gerechtfertigt? Das kann ich mir nicht vorstellen…

Ausgenommen Ihrem Allerwertesten entweichen Goldbarren. Dürfen Sie eigentlich ohne zu fragen während der Arbeit auf die Toilette? Wenn Sie dafür 5 Minuten brauchen, kostet das Ihren Arbeitgeber geschlagene 450 Franken – da überlegt man sich hoffentlich jedes Pippi zweimal.