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iPhone Videorecording
26. August 2008, 16:59
Filed under: Gadgets

In der letzten Woche sind gleich drei Videorecording-Apps für die neue iPhone-Firmware 2.0.X  rausgekommen, mit jeweils unterschiedlichen Features.

Eines gleich mal vorneweg: Apple will solche Programme (wie auch MMS) nicht im offiziellen App-Store haben – wahrscheinlich weil die Firma plant, sich irgendwann mal selbst dazu zu bequemen, dieses ansonsten übliche Feature zu implementieren. Ergo: Um die nachfolgend genannten Programme installieren zu können, braucht das iPhone den so genannten Jailbreak (= kleiner Hack, um nicht-offizielle 3-Parteien-Software installieren zu können). Die Möglichkeit dazu, sowohl für das 3G wie auch das 2G, bietet das Pwnage-Tool. Darüber hinaus braucht man Installer.app oder Cydia.app (kann man gleich mit dem Pwnage-Tool auf dem iPhone installieren), um sich die Programme via iPhone runterzuladen .

Cycorder: Dieses kostenlose Programm stammt von Cydia-Entwickler Saurik und macht einen sehr vielversprechenden Eindruck. Die Videoqualität ist hervorragend und besser als jene der anderen Programme – dementsprechend gross sind aber auch die resultierenden .mov Dateien. Es ist in einer ersten Beta-Version erhältlich und bietet noch keine Tonaufnahmefunktion. Anscheinend ist die Implementation dieser Möglichkeit als kostenpflichtiges Premium-Feature geplant.

[Update 5.9.2008:] Heute ist ein Cycorder-Update erschienen (via Cydia), welches nun auch Tonaufnahmen ermöglicht – immer noch alles gratis. Eine wirklich schmucke Software und wird immer besser; kann ich allen wärmstens empfehlen.

Flixwagon: Flixwagon ist ein wahrer Web 2.0 Service, der es einem erlaubt, Videos direkt vom iPhone auf deren Website zu streamen – kostenlos. Dazu installiert man sich auf dem iPhone den Flixwagon-Client. Die Sache funktioniert erstaunlich einwandfrei, auch über Edge/UMTS (!), und bietet eine akzeptable Bildqualität mit Ton. Die Filme kann man als private bzw. public markieren und dann auf flixwagon.com anschauen. Leider kann man sich die Filme (noch nicht?) downloaden.

iPhone Video Recorder: Dies war der erste voll funktionsfähige Videorecorder fürs iPhone und war bereits für die 1.1.X Firmware erhältlich. Seit kurzem gibt es nun eine 2.0.X-fähige Version. Das Programm hat sicherlich die ausgereiftesten Features, inklusive Tonaufnahme und zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten. Die Videos werden stark komprimiert und deren Qualität lässt deshalb etwas zu wünschen übrig. Zudem erfolgt die mpeg-Encodierung erst nach der Aufnahme, was bedeutet, dass man nach der Aufnahme noch eine Weile warten muss, bis die Datei gespeichert ist und man weiter filmen kann. UND: die Software kostet 19.95 US$.

Darüber hinaus sind noch andere iPhone-Video-Projekte in der Pipeline. Zum einen wäre dies das öminöse uShow-Projekt, welches schon seit Anfang Jahr einen Videorecorder verspricht, aber nie was geliefert hat. Zum anderen gab es für die 1.1.X Firmware das Programm Showtime, dessen Entwicklung aber anscheinend eingestellt wurde (wie beim iPhone Hacker-Krieg gab es auch bezüglich Showtime eine kleine Videorecorder-Schlacht, wobei sich verschiedene Entwickler gegenseitig des Code-Diebstahls bezichtigten).

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Der iPhone-Hacker-Krieg
22. Juli 2008, 15:04
Filed under: Gadgets

Das iPhone hat in seinem kurzen Leben bereits für ziemlich viel Aufruhr gesorgt und das eine oder andere Tohuwabohu verursacht. Abgesehen von Apples Schlag ins Gesicht der Telekommunikationsbranche (und vielleicht auch in jenes der Konsumenten), betrifft dies vor allem die Hacker-Community, welche sich das hehre Ziel gesetzt hat, Apples leidiger Vorliebe für Nutzungsrestriktionen ein Ende zu setzen.

Anfgefangen hat alles mit George Hotz, alias geohot, der im August 2007 den ersten Hardware-Unlock des iPhone präsentiert hat. Dies brachte ihm ein Auto ein und machte ihn über Nacht zum respektierten Internet-Promi.

Im September 2007 wartete dann das so genannte iPhone Dev-Team – eine lose, weltweit-verstreute Gruppe von ungefähr 30 Hackern – mit dem ersten Software-Unlock auf (anySIM).  Damit war die Zeit auch für Laien langsam gekommen, dem iPhone endgültig einige seiner Ketten abzunehmen. Geohot war nie offizielles Mitglied des Dev-Teams, stand aber in gutem Verhältnis zur Gruppe und einige Teile des Software-Unlocks gehen bis heute auf sein Konto. So weit so gut.

Dann begann es langsam zu brodeln. Ausgelöst durch iPhone Firmware- und Bootloader/Baseband-Updates mussten immer wieder „neue“ Hacks (nicht vom Prinzip her, aber aufgrund der neuen Konfiguration) entwickelt bzw. neue Lücken im iPhone entdeckt werden.

Dadurch kam es zu einem Streit im Dev-Team über den einzuschlagenden Fahrplan, wobei ein Teil der Gruppe mit der Veröffentlichung eines neu entdeckten iPhone-Exploit zuwarten wollte, um es Apple nicht zu ermöglichen, diesen mit einem Software-Update schnell wieder zu schliessen. Ein Teil der Teammitglieder war damit nicht einverstanden, spaltete sich ab und gründet das iPhone Elite Dev-Team. Dazu gehörte auch der infamose Zibri.

Ziphone

Die Abspaltung führte zu einer kurzen Internet-Aufruhr, bevor dann der eigentliche Krieg begann: Zibri veröffentlichte Ziphone auf eigene Faust (Februar 2008).

Ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil von Ziphone war zwar von Zibri entdeckt worden (ramdisk-exploit), der Rest bestand aber aus den Vorarbeiten des restlichen Dev-Teams. Dies ist auch bei fast allen anderen Unlock-Tools der Fall (z.B. iNdependence, iPlus, etc.), deren Eigenleistung zum Teil „nur“ darin bestand, eine grafische Oberfläche für den Unlock zu bieten sowie die verschiedenen Schritte des Unlocks/Jailbreaks in einem Programm zu vereinen.

Wie dem auch sei, mittlerweile sind das Dev-Team und das Elite Dev-Team wieder vereint, bis auf Zibri, der wegen seines Alleingangs alle verärgerte: Er gab den anderen Entwicklern der beiden Dev-Teams, ohne die es Ziphone nicht geben würde, keine Credits, er veröffentlichte die neue iPhone-Lücke gegen den Willen des restlichen Teams, spielte sich als der iPhone-Held auf und kassierte entgegen vorangiger Absprache über Donations mächtig ab (das Dev-Team akzeptiert bis heute keine Donations).

Des Weiteren ist Ziphone auch ein „gefährliches“ Unlock-Tool, weil es den Bootloader des iPhone downgraded und damit 1) das iPhone unbrauchbar machen kann und 2) irreversibel modifiziert – dem Dev-Team war und ist es bis heute wichtig, dass diese beiden Punkte nicht eintreten können.

Geohots yiPhone.org

Nun hat das Dev-Team das ultimative Pwnage-Tool veröffentlicht, welches an Leichtigkeit nicht zu übertreffen ist und zumindest die iPhones der ersten Generation (womöglich dann auch das 3G) endgultigt befreit hat.

Auch hier kam es kurz vor Veröffentlichung noch zu einem kleinen Zwist, da geohot versuchte, das Dev-Team zu einer früheren Veröffentlichung zu bewegen, damit dies nicht wieder ein Alleingänger tut. Er eröffnete eine Website (yiPhone.org), die einem glauben liess, er veröffentliche das Tool vor dem Dev-Team, worauf das Dev-Team seinerseits mit einer Website (ihazsupper.com) und harschen Kommentaren reagierte. Die Spekulationen seitens der User überschlugen sich, schlussendlich aber stellte sich geohots Initiative als Scherz heraus.

Dev-Team: The Last Supper (mit geohot als Judas)

Das vorläufig letzte Kapitel dieser Auseinandersetzung dreht sich aber wieder um Zibri. Sein Ziphone ist (noch) nicht in der Lage, die 2.0 iPhone-Firmware zu befreien, weil der ramdisk-exploit von Apple geschlossen wurde. Deswegen wird nun wieder munter über den Zaun geschossen: Zibri verteidigt Ziphone, verspricht eine neue Version (?) und greift das Dev-Team an („that’s not hacking“), dieses wiederum glaubt nicht, dass Zibri im Alleingang nochmals mit einem Unlock-Tool aufwarten kann, entkräftet alle seine Aussagen und Anschuldigungen und wartet auf sein Verschwinden. Fortsetzung folgt…

Das Faszinierende an der ganzen Sache und an unserer Internet-Zeit im Allgemeinen ist aber nicht diese Auseinandersetzung, sondern die Tatsache, dass solche Hacker-Communities – deren Mitglieder sich physisch noch nie getroffen haben und sich auf der Strasse wohl nicht erkennen würden – überhaupt entstehen und Produkte hervorbringen, die ihren Zweck mehr als erfüllen und das in einer Qualität, die den Vergleich mit Microsoft-Erstveröffentlichungen in keiner Weise scheuen muss.

Das alles ohne Chef, ohne Organisationsüberbau, ohne endlose Meetings, ohne Lohn – just for fun and a little bit of fame! Dass es dabei zu Reibereien und inkompatiblen Anschuldigungen kommt, ist mehr als verständlich.