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Langeweile auf der Schweizer Botschaft in Teheran
17. Juli 2008, 17:52
Filed under: Iran, Schweiz, USA

Wie der Guardian heute meldet, sind die USA kurz davor, erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 wieder eine eigene Interessenvertretung in Teheran zu eröffnen. Daraus wird dann mittelfristig wohl eine offizielle diplomatische Vertretung – zukünfitige Reibereien zwischen dem Iran und den USA mal ausgeklammert.

Bisher fungierte die Schweiz als Schutzmacht der USA im Iran und wahr sowohl zuständig für konsularische Belange, wie auch tätig als diplomatischer Kommunikatonsintermediär zwischen den verfeindeten Staaten. Letzteres ist zweifellos eine sehr spannende Aufgabe, welche es der weltpolitisch belanglosen Schweiz bisher erlaubte, in einem der zentralen Konflikte der Gegenwart eine andauernde und durchaus bedeutende Rolle zu spielen.

Damit ist jetzt dann woh langsam Schluss. Zwar erstaunt es angesichts der Kriegsrhetorik der letzten acht Jahre, dass diese Ankündigung gerade jetzt kommt und noch unter Bushs Regentschaft in die Tat umgesetzt werden soll, doch hat sich dies in letzter Zeit immer klarer abgezeichnet.

Die Hauptgründe liegen sicher in der Tatsache, dass die Iran-Politik der Bush Administration, gelinde gesagt, nicht gerade ein Erfolg war und George W. Bush damit begonnen hat, sich Sorgen zu machen über die historische Einordnung seiner „Errungenschaften“. Auch wurden die Stimmen innerhalb der Administration immer lauter – besonders im State Departement (vs. Cheney und Teilen des Pentagon) -, es nach 30 Jahren rhetorischer Anfeindung mal zu versuchen, mit dem Iran in eine Art der direkten Beziehung zu treten.

Darüber hinaus hat die Eröffung einer Interessenvertretung wohl auch ein klein wenig mit der Schweiz zu tun, welche den USA in letzter Zeit ziemlich auf den Nerv gegangen sein dürfte.

Prominentestes Beispiel: Der Gas-Deal der EGL mit dem Iran unter freundlicher Beihilfe des Aussenministeriums, dessen Vorsteherin von der iranischen Regierung medial instrumentalisiert wurde und erhebliche diplomatische Spannungen verursachte. Zumindest einige der Fotos hätte die Schweizer Diplomatie vielleicht verhindern sollen…

Ein Klassentreffen alter Kumpels?

Wie dem auch sei, die Unzufriedenheit der Amerikaner mit der Schweizer Iran-Politik besteht schon länger. So liess sich John Bolton, der frühere amerikanische UN-Botschafter, Ende letzten Jahres mit folgender Aussage auf Video bannen:

„[The] former Swiss ambassador […] was a busybody. I recommended to Secretary Powell that we get the Swiss to fire that guy or we find a new protecting power [in] Tehran.“

Bolton bezieht sich hier auf Tim Guldimann, der damals Schweizer Botschafter in Teheran war. Seine Aussage ist eine „Antwort“ auf die Frage, ob der Iran den USA (über die Schweiz) im Jahre 2003 ein umfangreiches Gesprächsangebot unterbreitet habe. Bolton war von 2001-2005 Undersecretary of State for Arms Control and International Security (eine Aufnahme des Interviews kann hier (.mov) betrachtet werden – obwohl ich es sehr gerne tun würde, gehe ich an dieser Stelle nicht näher auf John Bolton ein).

Guldimann wurde dann im Jahre 2004 durch Philippe Welti ersetzt, der im Iran wohl auch eine ziemlich ereignisreiche Zeit verbracht hat. Allerdings soll und kann hier nicht behauptet werden, dass dieser Wechsel direkt etwas mit Bolton oder amerikanischem Druck zu tun gehabt hätte.

Auf alle Fälle sorgt das Schutzmachtmandat der Schweiz in Teheran für ziemliche Spannung und lässt einige Schweizer Diplomaten den Puls des Weltgeschehens spüren. Damit dürfte es jetzt dann bald vorbei sein – zumindest in dieser Form. Aber falls es zu einem Tauwetter zwischen den USA und dem Iran kommen sollte, wäre das eine gute Sache für die Welt. Und langweilig wird es in Teheran deswegen bestimmt nicht!

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